Rezension Die Besucher - Marcus Kliewer -

 

Rezension Die Besucher

- Marcus Kliewer -

 

Ein teuflisches Debüt. Was mit leichtem Unbehagen beginnt, entwickelt sich zu ausgewachsenem Horror. Dieser Roman trifft mitten ins Schwarze.
 
 
 


 Titel: Die Besucher
 Autor: Marcus Kliewer
 Verlag: Goldmann Verlag
Übersetzung: Thomas Schnettler 
Erscheinungstag: 21.01.2026
Seitenzahl: 400 Seiten
Format: Ebook
Stand alone


Inhalt:

Sie klingelten unangemeldet an einem kalten Freitagabend. Die Fremden vor Eve Palmers Haustür machten eigentlich einen harmlosen Eindruck. Doch die junge Frau war wie immer vorsichtig, spähte durch die Jalousien und überlegte, ob sie die Tür öffnen sollte ... Perfekt für Fans von Stephen King, Ruth Ware oder Sarah Pinborough.

Eve und ihre Lebensgefährtin Charlie können ihr Glück kaum fassen: Das alte Haus in einer abgelegenen Gegend von Oregon ist ein echtes Schnäppchen, perfekt, um es zu renovieren und mit Gewinn weiterzuverkaufen. Nachbarn gibt es kaum, und auch Touristen verirren sich nicht nach 3709 Heritage Lane. Deshalb ist Eve überrascht, als es eines Abends klingelt: Ein Mann steht mit seiner Familie vor der Tür. Er habe früher hier gewohnt, sei auf der Durchreise und wolle seiner Frau und den drei Kindern das Haus zeigen. Zögernd lässt Eve, die allein zu Hause ist, die Fremden herein. Dann geschieht Seltsames. Die kleine Tochter der Besucher ist plötzlich unauffindbar, das Haus selbst scheint in Details merkwürdig verändert – oder bildet sich Eve das nur ein? Und die Familie macht keine Anstalten, wieder zu gehen. Ein Albtraum beginnt ...

Meinung:

In „Die Besucher“ haben Eve und ihre Partnerin Charlie ein abgelegenes Haus gekauft, das sie renovieren und weiterverkaufen möchten. Eines Abends steht eine fremde Familie vor der Tür. Der Mann behauptet, als Kind in diesem Haus gelebt zu haben, und bittet darum, es seiner Frau und den Kindern einmal zeigen zu dürfen. Eve ist hin- und hergerissen, lässt die Familie schließlich hinein, doch ab diesem Moment wird es unheimlich.

Der Start in das Buch ist ganz plötzlich und ohne große Erklärungen. Wir lernen Eve mit ihren unzähligen Angstzuständen und ihre stabile Partnerin Charlie kennen. Beide waren mir auf Anhieb sympathisch und wurden authentisch dargestellt. Das Pärchen renoviert gerne Häuser und hier haben sie eine wahre Fundgrube an Baustellen mit ihrem eigenen Charme gefunden. Eve ist sehr Menschenscheu und wir lesen hauptsächlich aus ihrer Perspektive. Sie brauch Charlie in so vielerlei Hinsicht, dass schön zu lesen war, wie sich beide Dynamiken so gut ergänzen. Eves
 Gedanken, Zweifel und Ängste sind extrem greifbar dargestellt, sodass man sich ihr sehr schnell nahe fühlt und gerade diese Nähe sorgt dafür, dass die unterschwellige Bedrohung von Anfang an wirkt. Die Familie, die eines Abends vor der Tür steht, ist in meinen Augen nicht nur unheimlich, sondern auch sehr suspekt. Die Kinder verhalten sich nicht angemessen, die streng religiöse Frau greift nicht durch und der Mann versucht alles mit Humor und Verständnis zu überspielen. Gruselige Kombination und ich hätte sie zwar auch ins Haus gelassen, aber an Eves Stelle definitiv strenger wieder nach draußen befördert. Aber genau das macht den Reiz des Buches für mich aus. Man muss der Abwärtsspirale mit Eve folgen. 

Zusätzlich mit verschiedenen anderen Erzählelementen wie Interviews, Artikeln oder anderen dokumentarischen Einschüben sind diese richtig toll in den Text eingebunden und wirken nie wie ein Fremdkörper, sondern eher wie gezielte Unterbrechungen, die neue Fragen aufwerfen oder kleine Informationshäppchen liefern. Oft sorgen gerade diese Einschübe für kurze Aha-Momente, ohne zu viel preiszugeben. Sie verdichten die Geschichte, machen sie komplexer und verstärken das Gefühl, dass sich im Hintergrund etwas Größeres zusammenzieht.

Die Sogwirkung im Buch ist enorm und mit dem tollen Erzählstil, fällt es absolut nicht schwer dran zu bleiben. Schon die erste Begegnung mit der fremden Familie ist unangenehm, beklemmend und voller leiser Warnsignale. Diese Anspannung bleibt nicht nur bestehen, sie wird mit jeder Seite dichter. Auch wenn man mit Eve die Situation oder das Gelände verlässt, folgt dieser gruselige Schatten der Geschichte und das fand ich grandios. Dabei wird nicht alles minutiös erklärt, sondern es bleibt viel Spielraum für eigene Interpretationen und so etwas hat bei mir sowieso immer einen Bonus. Auch das zwischen den Zeilen lesen und wild drauf losspekulieren wird hier gefördert und macht mit jeder Seite mehr Spaß. Die Atmosphäre ist von Anfang an dicht und unangenehm, aber die Spannung lässt einen nicht von den Seiten.
 
Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir das Buch auch trotz Leseflaute nicht aus dem Kopf ging und ich mit einer beträchtlichen Konzentrationsschwäche trotzdem immer dran blieb und wissen wollte, wie es endet. Für mich ist das Buch zum Monatshighlight geworden und bleibt mir bestimmt noch eine Weile als subtiles, aber eindringliches Horrorbuch im Kopf.
 





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