Rezension Die Liste der Lebenden - Stefan Kutzenberger -

 

Rezension Die Liste der Lebenden

- Stefan Kutzenberger -

 

Die Geschichte einer unerkannten Liebe zwischen zwei Menschen, die erst im Angesicht des Todes begreifen, wie eng sie einander verbunden sind.
 
 
 


 Titel: Die Liste der Lebenden
 Autor: Stefan Kutzenberger
 Verlag: Picus Verlag
Erscheinungstag: 11.03.2026
Seitenzahl: 208 Seiten
Format: Hard Cover
Stand alone


Inhalt:

September 1858, mitten auf dem Atlantik. Eine nicht mehr ganz junge Frau treibt nackt auf einer Tür liegend in den sachten Wellen. Die Sonne scheint und in Gedanken ist sie in Dänemark. Henriette Wulff, aus bester dänischer Familie, ist dreiundfünfzig, als sie sich entschließt, ihre Heimat hinter sich zu lassen und nach Amerika auszuwandern. Trotz ihres umtriebigen Soziallebens in den Salons Kopenhagens, trotz ihrer zahlreichen Bekanntschaften in Europa. Und trotz ihrer intensiven Freundschaft mit dem Dichter Hans Christian Andersen, mit dem sie über Jahrzehnte hinweg Hunderte Briefe wechselte. Doch die Überfahrt endet in einer Katastrophe, der größten Schifffahrtskatastrophe des 19. Jahrhunderts. 
Inmitten der Trümmer des Dampfers »Austria« bleibt Henriette nichts übrig, als in Gedanken weiter Briefe an Andersen zu verfassen, ahnend, dass er zu Hause in seiner Schreibstube auch nicht anders kann, als ihr zu schreiben. 

Meinung:

Als Erstes hat mich das Cover magisch angezogen und dann der Klappentext. Ich hatte mir eine kleine Liebesgeschichte mit Titanic Vibes ausgemalt und ein kleines bisschen Drama, aber bekommen habe ich so viel mehr!

Ein imaginärer Dialog zwischen Henriette Wulff und dem legendären Märchenautor Hans Christian Andersen entführt uns in poetische Gefilde, vielen Spekulationen und ganz viel Gesellschaftskritik und Humor.

Die ersten Zeilen haben nicht nur mein großes Interesse an dem Buch geweckt, sondern auch sofort in die Seiten gezogen. Der Briefwechsel zwischen Hans Christian Andersen und der verunglückten Henriette Wulff ist rein fiktiv und spielt sich nur in dem Kopf von Jette ab. Wie soll sie auch gestrandet auf einer Tür im Meer an Tinte und Papier gelangen. Ob die Briefe von Andersen wirklich verfasst wurden erfahren wir am Ende in einem sehr ausführlichen und informativen Nachwort. Ihr findet hier keine Kapitel und auch die Schrift ist bis auf Absätze der Briefe durchgängig. Aber bitte denkt nicht, dass es damit eintönig, langweilig oder gar trist zu lesen ist. Ganz im Gegenteil, der poetische Schreibstil, die ab und an aufgedeckten Geheimnisse und das schwelgen in Erinnerungen lassen uns durch die Seiten schweben. Dabei werden so viele wichtige Themen angesprochen wie Politik, Judentum, Sinn des Lebens, großen Lieben, Konkurrenz, Meuterei und Poesie. Dazu bekommen wir ab und an geschichtliche Eckdaten, die sich ganz natürlich in die Geschichte einbinden und uns in der Zeit zurückreisen lassen.

Ich fand auch Jettes Beschreibung vom Untergang des Schiffes sehr interessant und spannend. Gerade bei dem Spannungsbogen war ich mir anfänglich unsicher, ob er über die Seiten gehalten werden kann, weil man ja eigentlich weiß, was passiert. Aber bis zur Mitte hin wird die Geschichte richtig gut aufgebaut und dann steht bis zum Ende immer noch die Frage im Raum, wer überlebt und das war schon richtig gut gemacht. Die Sprache ist dabei meiner Ansicht nach zeitgemäß und sehr melodisch und bildlich. Die Gedankensprünge beider sind manchmal etwas wirr, weil man keine Verbindung zum Zusammenhang hat, aber die Briefe wurden ja über Tage verfasst und nicht in einem Gedankengang, so wie wir es lesen.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich so gerne in der kleinen Geschichte gelesen habe und sie so lebendig in meinem Kopf war, als wären die Briefe an mich verfasst. Das Ende hält noch eine Überraschung für euch bereit und viele Geheimnisse über einen sehr verschlossenen Märchenerzähler. Ich kann das Buch in jeder Hinsicht empfehlen und freue mich über eure Berichte.

 



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