Rezension December Park

 

Rezension December Park

 
Verschwundene Kinder, winterlicher Grusel und Coming-of-Age!
 Perfekte Kombination!
 
 
 
 

 

Titel: December Park
Autor: Ronald Malfi
Verlag: Luzifer Verlag
Übersetzung: Ilona Stangl
Erscheinungstag: 30.09.2015
Seitenzahl: 696 Seiten
Stand alone


Inhalt:

Im Herbst des Jahres 1993 verschwinden in dem beschaulichen Städtchen Harting Farms in Maryland immer wieder Kinder. Zunächst hoffen die Bewohner noch, es mit Streichen jugendlicher Ausreißer zu tun zu haben – bis in dem großen, gespenstischen December Park die erste Leiche eines Mädchens gefunden wird. Schnell berichten die Zeitungen von einem mutmaßlichen Entführer – dem Piper, der wie der Rattenfänger aus der Sage der Brüder Grimm gekommen ist, um die Kinder zu holen …
Angelo Mazzone und seine Freunde entdecken jedoch eine Verbindung zu dem toten Mädchen und nehmen die Verfolgung des Mörders auf. Die fünf Jugendlichen schwören sich, der Schreckensherrschaft des Pipers ein Ende zu setzen. Doch was als mutiges Versprechen beginnt, entpuppt sich nicht nur als Odyssee in die Düsternis ihrer Heimatstadt und ihrer Bewohner, sondern auch als konfliktreicher Übergang ins Erwachsenenleben.
In der Dämmerung ist auf den Straßen von Harting Farms plötzlich jeder verdächtig, und jeder der Jungs könnte das nächste Opfer des Pipers sein.

Meinung:

Hier haben wir meiner Meinung nach ein ganz besonderes Werk, was viel zu lange ungelesen bei mir lag.
 
 Angelo wohnt mit seinen vier Freunden in einem kleinen Örtchen. Dort ist ruhig, bis auf einmal Kinder verschwinden und die erste Leiche auftaucht. Nun will die Gruppe Jungs im Teenageralter, den einen Mörder jagen: den Piper - benannt nach dem Pied Piper, bei uns bekannt als Rattenfänger von Hameln - der allem Anschein nach für das Verschwinden und den Tod mehrerer ihrer Altersgenossen verantwortlich ist. Als dann in das leerstehende Nachbarhaus ein seltsamer Junge einzieht und dieser später von den verschwundenen Kindern erfährt, die es nach und nach immer mehr zu verzeichnen gibt, beginnt die Jagd der fünf Jugendlichen auf den Piper, welcher der Polizei immer noch vollkommen unbekannt ist. Dabei geraten sie selbst in Schwierigkeiten und eine enge Freundschaft und Vertrauen ist wichtig, denn je mehr Risiken sie eingehen, desto schwieriger ist es, nicht selbst in die Fänge des Verbrechers zu geraten.  Niemand kennt die Stadt Harting Farms so gut wie die Kinder, die in dieser Leben. Und es macht Spaß, Angelo, Peter, Scott, Michael und Adrian auf ihren oft unwirklich anmutenden Reisen zu begleiten.
 
 Sehr gut hat mir die Figurenkonstellation gefallen. Angelo und seine Freunde haben mich von Anfang an begeistert und ich finde es toll wie dynamisch es in der Gruppe zugeht, auch wenn Angie und Peter sich etwas nähestehen als die anderen. Auch innerhalb von Angies Familie merkt man schnell beim Lesen, dass über der Familie ein dunkler Schatten schwebt. Besonders fasziniert hat mich hier die Beziehung zwischen Vater und Sohn, die sich im Verlauf der Handlung zunehmend ändert. Mit Adrians Ankunft in Harting Farms, den Sonderling ohnegleichen, beginnt dann erst richtig die Handlung. Die langen Kapitel stören dabei überhaupt nicht, da die ganze Zeit ein unterschwelliger Schauer von einem Besitz ergreift. Malfi ist ein hervorragender Schriftsteller und findet einen sehr guten Rhythmus, die Geschichte spannend, lebhaft und atmosphärisch zu erzählen. Ich finde es so gut geschrieben, denn man will einfach wissen, was als Nächstes passiert.
 
 Was ich an den Jungs toll finde, ist wie sie miteinander umgegangen sind, ihre Späße getrieben haben und immer füreinander da waren. Es sind ganz normale Jungs, die die Gegend unsicher machen, sich von der breiten Masse abgrenzen, ihre Erzfeinde haben und Abenteuer erleben wollen. Coming of Age bedeutet ja nicht immer zwingend Kinder, die Heranwachsen, denn das haben wir hier definitiv nicht mehr. Die Clique ist in dem Alter von 15/16 Jahren und man ist über diverse Sandkastenspielchen längst hinaus. Hier werden unter anderen Themen wie Sex, erste Liebe, Drogen, Alkohol und vor allem und ständig Zigaretten thematisiert. Es handelt sich also nicht mehr um kleine Jungenstreiche, sondern da sind auch handfester Vandalismus, Diebstahl und Rachephantasien mit dabei. Was ich aber nicht verwerflich finde, denn es hat Spaß gemacht Ihnen dabei zu folgen und mitzufiebern, wer erwischt wird. Da alles in den Anfängen der 90er Jahre spielt und das auch so bissl meine Jugendzeit war, habe ich viele Sachen mit einem Lächeln wieder erkannt und schmunzelnd in Erinnerungen geschwelgt.
 
 Da Angelos Vater Polizist ist bekommt er immer mehr zu spüren, wie sehr dieser Fall ihm zusetzt. Dieser versucht es zwar vor seinem Kind zu verbergen, doch die Stimmung zwischen beiden wird immer angespannter und dann kommen noch die pubertäre Lebensweise seines Sohnes und die Maßregelungen. Welche Ängste begleiten Jugendliche in dieser Zeit, welche Stärken und Schwächen und welche dunklen Schemen aus der Vergangenheit, sind nur wenige Fragen, die dabei ausführlich behandelt werden.
 Der Autor ist sehr ausführlich auf die Landschaft, Straßen, Wälder usw. eingegangen, so dass ich mir ein sehr gutes Bild von der Umgebung machen konnte. Ich fand es auch zu keiner Zeit störend oder zu viel, da es immer passte und die gruselige Stimmung des Ganzen noch unterstrichen hat. Fokus wird auch definitiv nicht auf die Suche nach dem Mörder gelegt, sondern mehr auf das Aufwachsen und die Abenteuer in dem Alter. Also wer einen reißerischen Thriller sucht, wird hier maximal entschleunigt, bekommt aber dennoch viel Spannung, getragen wird die Geschichte hiervon allerdings nicht. 
 
Meines Erachtens ist dieses Buch daher für jeden Leser geeignet, der Coming-of-Age-Romane mag, der genauso wie ich dieses magische letzte Jahr der Kindheit sehr spannend findet und dazu eine etwas nebensächliche Thriller Story sucht.
 
 

Kommentare

  1. Hallo July,

    wieder ein Buch, das ich sehr gerne mochte. Ich freue mich, dass du damit ebenso schöne Lesestunden hattest.
    Für mich war es damals eine richtige Überraschung. Die Erwartungen wargen gar nicht besonders hoch, weil es in manchen Rezensionen weniger gut wegkommt. Doch dann war ich sehr begeistert.

    Liebe Grüße
    Nicole

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    1. Ach ich fand es auch so gut. Ich habe erst andere Bücher von Malfi gelesen und mir das zum Schluss aufgehoben und das war das Beste. Gerade die Coming-of-Age Thematik fand ich hier so gut rüber gebracht und hat mich oft an meine Jugend erinnert!:)

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    2. Hast du noch weitere Empfehlenungen von Malfi? Bisher habe ich noch "Knochenbleich" und "The Ascent. Der Aufstieg" von ihm gelesen. Die fand ich beide gut. Dennoch hast du recht, dass "December Park" davon das beste Buch ist.

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    3. Mehr habe ich auch noch nicht gelesen... :) Ich bin mir auch garni sicher, ob mehr von ihm ins Deutsche übersetzt wurde und bei Englisch bin ich leider raus.

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  2. Hallo Julia,
    das Buch sagte mir bislang noch gar nichts. Klingt aber richtig gut! Werde ich mir mal auf die Merkliste setzen. Vielen Dank für diesen ausführlichen Einblick.

    Liebe Grüße
    Tanja

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    1. Sehr gerne, es freut mich sehr, wenn ich viele Leute mit sehr guten Büchern anstecken kann... ;)

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