Rezension Die Kammer - Will Dean -

 

Rezension Die Kammer

- Will Dean -

 
Sechs Taucher. Eine Luke. Kein Entkommen!
 
 
 


Titel: Die Kammer
Autor: Will Dean
Verlag: Hoffmann und Kampe Verlag
Übersetzung: Sepp Leeb
Erscheinungstag: 06.03.2025
Seitenzahl: 400 Seiten
Format: Paperback
Stand alone 
 

Inhalt:

Irgendwo in der Nordsee: Eine Gruppe von Tauchern – fünf Männer und eine Frau –, müssen vor ihrem Einsatz bei einer Ölpipeline zum Druckausgleich mehrere Tage in einer eisernen Kammer verbringen. Für die Profis eine vermeintliche Routine – bis es in der Kammer plötzlich einen ersten Todesfall gibt, dem weitere folgen. Die verbleibenden Tage werden für die weiter schwindende Zahl an Überlebenden zu einem nervenzerfetzenden Albtraum, aus dem es kein Entkommen gibt. Denn das Öffnen der Tür würde für alle Insassen den Tod bedeuten.

Höllisch spannend und mit einem dunklen Twist: Dieser phänomenale Thriller ist ebenso unvorhersehbar wie unentrinnbar.

Meinung:
 

Stellt euch vor ihr sitzt auf engsten Raum, hundert Meter unter dem Meer mit einem ungeheuren großen Druck zusammen und dürft nicht raus. Neben euch eine Leiche und arbeiten wäre auch noch angebracht. Also die ersten Seiten haben mich sofort in ihren Bann gezogen und nicht mehr losgelassen. Ich bin prinzipiell ein großer Fan von Storys über Tiefsee oder das Tauchen, weil das für mich schon so einen guten Grund-Horror mitbringt, aber hier war ich durch die Leseprobe sofort gefesselt und wollte mehr erfahren.
 
Wir lesen aus der Perspektive von Ellen Brooke, die als Tiefseetaucherin doch schon eine seltene Rolle in einem Männerberuf einnimmt. Sie ist Teil von einem Team aus insgesamt 6 Personen und alle sind sich größtenteils unbekannt. Das ist jetzt kein so gängiger Beruf und fordert extreme Belastungen für Geist und Körper und Ellen macht uns recht schnell klar, dass man sich in dieser Domäne als Frau sehr standhaft behaupten musss. Aber auch wo sie beginnt von den Umständen eines solchen Tauchganges zu erzählen, die Bedingungen, was gefordert wird und unter welchen Umständen, verstehe ich die begrenzte Zahl an Qualifizierten. Das war schon der erste große Pro-Punkt in diesem Buch, das alles sehr ausführlich, verständlich und dennoch spannend erklärt wurde. Man bekommt sofort ein bedrückendes Gefühl in der Bauchgegend, als die enge Kabine, das spärliche Essen und die Aufgaben beschrieben wurden. Durch die anderen Druckverhältnisse unter Wasser ändert sich nämlich nicht nur die Stimme, sondern auch die Belastungsgrenzen eines jeden Einzelnen und wie ganz oft betont wurde, geht alles etwas langsamer. Wenn man also nicht routiniert einem Ablaufplan folgt, kann das den sofortigen Tod bedeuten. Es dauert auch nicht lange bis der Erste davon betroffen ist und statt die Mission abzubrechen und die Taucher so schnell wie möglich an die Oberfläche zu holen, muss erst der Druck abgebaut werden und die Rückführung eingeleitet. Da das eben nicht in 5 Minuten gemacht ist, stellen sich den Beteiligten neuen anspruchsvollen Aufgaben.
 
Wie ich schon erwähnte haben mich schon die ersten Seiten an das Buch gebunden. Jede Beschreibung und Erklärung haben für mich einen neuen interessanten Reiz gegeben dran zu bleiben und zu erfahren, wer alles wie managt. Dazu kommen noch die undurchsichtigen Teilnehmer, wo jeder nur zum Arbeiten da ist und nicht für Freundschaften. Schwierig auf diesen engen Raum und mit den Aufgaben. Ich hatte auch sofort klaustrophobische Gedanken im Kopf, obwohl ich dafür nicht veranlagt bin, aber daran erkennt man den guten Schreibstil. Als dann diesen besagten Todesfall gibt und die Mission abgebrochen wird, gibt es in dieser Zeit nichts anderes außer das Ganze auszusitzen. An sich wurden die Langeweile, strikte Routinen und Alltag gut dargestellt, aber es zog sich auch enorm. Um sich abzulenken erzählen sich die Taucher Erlebnisse aus ihrem Leben, die mit ihrer Karriere verbunden waren und das zog sich. Klar ist es interessant diesen Geschichten zu folgen, aber es wurde immer skurriler, brutaler und kritischer an Sinn und Verhalten der Gesellschaft. Trotzdem bleiben die Beteiligten für mich recht undurchsichtig und die Erlebnisse hätten auch jedem anderen passieren könne. Ich konnte sie zwar namentlich voneinander unterscheiden, aber nicht persönlich und charakterlich. Man fiebert dennoch dem Countdown entgegen, wenn die Besatzung endlich wieder ins Freie kommt und wer das Ganze übersteht.
 
Hier findet ihr keinen reißerischen Thriller, der mit Blut und Brutalität um sich wirft. Eher eine ganz ruhige, bedachte und kritische Story über das Tauchen und alle ihren Gefahren. Für mich hätte es wesentlich kürzer sein dürfen und ich finde es bemerkenswert von dem Autor wie viele Geschichten er zu diesem Thema gefunden hat und wie groß das Thema Vertrauen in diesem Beruf spielt. Kleinste Gegebenheiten können den Tod bedeuten und das wurde hier eindringlich und intensiv dargestellt.


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