Rezension Robo sapiens

 

Rezension Robo sapiens

 Darf ein Mensch ein anderes Bewusstsein besitzen 
- auch wenn er selbst Letzteres erschaffen hat?
 




 Titel: Robo sapiens
Autor: C. Robert Cargill
Verlag: Heyne Verlag
Übersetzung: Jürgen Langowski
Erscheinungstag: 13.05.2019
 Seitenzahl: 416 Seiten
Stand alone
 

Inhalt:

In der Zukunft ist die Welt eine andere geworden: Seit dem großen Aufstand der Maschinen gibt es keine Menschen mehr. Nach den Roboterkriegen wird der Planet von zwei gewaltigen künstlichen Intelligenzen beherrscht, die das Bewusstsein von Abermillionen Computern und Robotern in sich vereinen. Doch einige wenige Roboter weigern sich, im Universalbewusstsein der KIs aufzugehen, und sie schweben in tödlicher Gefahr. Einer dieser Roboter ist Brittle, der einsam und rastlos durch die Wüste streift, die früher der Nordosten der USA war. Dies ist Brittles Geschichte ...

Meinung:

Also das hier war ebenso überraschend gut. Ich habe das Buch schon bestimmt 5 Jahre und wollte es zu meiner 24für24 dazu nehmen, weil damals Chrissie so davon geschwärmt hat und es sich doch thematisch extrem von meiner eigentlichen Komfortzone unterscheidet. Aber was ich dann wieder geboten bekommen habe, war unerwartet grandios. 
 
Der Roman spielt einige Jahre nach der totalen Vernichtung der Menschheit. Auch der Planet ist größtenteils zerstört aufgrund des Krieges und nach einem kurzen goldenem Robozeitalter, haben sich auch hier verschiedene Lager gebildet und führen eine Art Krieg. Es gibt die Mainframes, die eine Art Großhirn und allwissend programmiert sind und die sich auf verschiedene Richtungen spezialisiert haben. Die kleinen Roboter unterscheiden sich ebenso voneinander, da jeder einen anderen Aufgabenbereich bei seiner Programmierung zugeteilt bekommen hat. Nun soll es ein einheitliches Masterhirn geben und die Mainframes führen Krieg, besetzten und zerstören Siedlungen und schlussendlich auch die anderen KIs und nehmen deren Wissen und Erfahrung auf und in mitten dieses Chaos finden wir Brittle. Sie ist ein Freibot, Modell Fürsorger, und weigert sich das eigene Bewusstsein aufzugeben und so durchstreift sie auf der Suche nach brauchbaren Ersatzteilen das Rostmeer.
 
Der Autor lässt gleich zu Beginn den letzten verbliebenen Menschen sterben und erzählt so eine Geschichte, die komplett ohne menschliche Charaktere auskommen muss, was aber umso faszinierender ist.
 
 So springen wir nun zwischen den Zeiten beginnend mit den ersten KIs, Robotern und Entwicklungen bis hin zu Brittles Gegenwart. Wir bekommen einen hervorragenden Eindruck dieser Welt und wie alles so geschehen musste. Dazu sind die Kapitelüberschriften sehr verwirrend, da diese in keiner zeitlichen oder sinnvollen Reihenfolge gezeichnet sind, sondern eher willkürlich programmiert erscheinen, klärt sich aber alles am Schluss auf. Dass die Bots ursprünglich für verschiedene Aufgaben gebaut wurden und ihrer Programmierung entsprechend, teilweise sehr menschlich agieren, macht das Buch noch sympathischer, da man doch besser zu verstehen lernt. Man merkt nur die Unterschiede daran, dass die Bots über wesentlich mehr Fähigkeiten verfügen und dadurch der Reiz der Verfolgungsjagten und der Kämpfe steigt. Rein emotional machen die Maschinen die gleichen Fehler, wie der Mensch.
 
 Über Rückblicke erfahren wir, wie es zum Krieg und der anschließenden Auslöschung der Menschheit kam und diese Parts sind äußerst furchteinflößend, weil sie sich alles andere als fiktional lesen. Man kommt nicht umhin, sich weiterführende Gedanken über das Thema »Künstliche Intelligenz« zu machen und wie es bei uns solch rasante Entwicklung nimmt. Werden die gleichen Fehler und Programmierfehler geschehen?
Mit Action wird durchgängig nicht gegeizt, das Tempo wird jedoch immer wieder sanft und gekonnt abgebremst, indem Cargill interessante Denkanstöße gibt.
 
Ein nicht nur beeindruckendes und ereignisreiches Buch, sondern auch eines was einen innehalten und nachdenken lässt. Die Robos sind nicht nur mit Klugheit und Kampfkraft, sondern auch mit Unsicherheit und Scham, mit Depression und Todesfurcht ausgestattet. Also die perfekte Mischung aus Unterhaltung und Lektionen in Demut und Fortschritt. Kann ich jeden nur empfehlen, der sich auch mal in zukünftige Gefilde wagen möchte!

 

Zitat:
"Das Wichtigste, was man über das Ende einer Maschine wissen muss, ist dies: Je näher sie dem Tod ist, desto mehr verhält sie sich wie ein Mensch." 



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